Die Aufrechterhaltung romantischer Liebe kann eine Herausforderung sein, wenn Menschen die Lebensmitte erreichen – eine Zeit, in der Fragen zum eigenen „Fortschritt“ im Leben aufkommen. In den Niederlanden, Schweden und Deutschland findet der größte Anteil der Scheidungen und Trennungen in der Lebensmitte statt, und weltweit berichten Menschen von einem Rückgang ihres Wohlbefindens und Glücks in diesem Alter. Dennoch streben viele trotz dieser demografischen Muster weiterhin nach einer dauerhaften Beziehung und erreichen dies auch.
Dieses ethnografische Projekt untersucht den täglichen Rhythmus dauerhafter Liebe in der Lebensmitte (35 bis 60 Jahre) unter Westeuropäern mit unterschiedlichem Hintergrund. Es fragt, wie Menschen in langfristigen romantischen Beziehungen ihre Liebe in der Lebensmitte aufrechterhalten, während sie sich gesellschaftlichen Herausforderungen stellen müssen: Arbeitsdruck und Prekarität, Erwartungen an die Elternschaft, vielfältige Betreuungsaufgaben, sich wandelnde Sozial- und Wirtschaftspolitik, Veränderungen der Geschlechter- und Familiennormen, Angst vor Verpflichtungen und Angst, etwas zu verpassen. Die Erkenntnisse werden eine (Neu-)Betrachtung der vorherrschenden Vorstellungen davon ermöglichen, was ein sinnvolles Leben im Laufe der Zeit ausmacht.
Von September 2025 bis August 2026 werden die drei Kernforscher Dr. Rahil Roodsaz (PI), Jasmine Bruce-Rogers (PhD) und Avery Franken (PhD) jeweils in Amsterdam, Berlin und Malmö ethnografische Untersuchungen durchführen. In jeder Stadt konzentriert sich das Projekt auf ein einzelnes sozial gemischtes Stadtviertel: Waterlandplein in Amsterdam, Kreuzberg in Berlin und Möllevången in Malmö. Die Durchführung von ethnografischen Studien auf Stadtteilebene ermöglicht ein tieferes Verständnis der Orte, die für das tägliche Leben der Teilnehmer relevant sind. Rhythms of Love zielt darauf ab, vielfältige Berichte über dauerhafte Liebe in der Lebensmitte zu sammeln, um über allgemeine Vorstellungen von Liebe und Lebensmitte hinauszugehen.
Rhythms of Love bedient sich kreativer und sensorischer Methoden. In der Praxis bedeutet dies, dass wir zusätzlich zu anthropologischen Interviews Audio-Emotions-Tagebücher, professionelle Fotografie und informelle Begleitgespräche (d. h. gemeinsame Spaziergänge durch das Viertel und gemeinsame Alltagsaktivitäten) einsetzen. Auf diese Weise können wir die Erfahrung romantischer Liebe in auditiven, visuellen und räumlichen Ausdrucksformen erforschen und vermitteln. Die Ergebnisse dieses Forschungsprojekts werden in akademischen und öffentlichen Räumen durch Zeitschriftenartikel, Monografien, Blogbeiträge, eine vom Rhythms of Love-Team organisierte Konferenz und eine Fotoausstellung veröffentlicht.
Das Projekt wird von 2024 bis 2029 vom niederländischen Forschungsrat (NWO) im Rahmen des Vidi-Programms (VI.Vidi.221C.033) finanziert und hat seinen Sitz am Amsterdam Institute for Social Science Research der Universität Amsterdam.
